Grains of VIEW

by Lisa Reiter & Simon REitmann | 27.März – 11.April 2026

Die Arbeiten von Simon Reitmann und Lisa Reiter verbindet eine spezifische Eigenschaft ihrer
Materialien: grain – im Englischen ein Begriff für Struktur und Richtung. Im Holz zeigt sich diese Eigenschaft als Maserung, im Papier als Laufrichtung der Fasern. Maserung im Holz und Laufrichtung im Papier sind keine Oberflächen, sondern strukturierende Kräfte. Sie bestimmen, wie die Materialien geschnitten, gefaltet, verklebt oder weiterverarbeitet werden können.

 

Der Ausstellungstitel grain of view verweist auf eine Perspektive, die aus dem Material und dem Körper heraus entsteht. Gehen, Stehenbleiben, Sitzen und Verweilen sind Bewegungen, die hier präsent sind. 

Simon Reitmanns skulpturale Bänke, entstanden aus Resten einer von ihm gebauten Eschenstiege, sind in der Mitte des Raumes positioniert und laden dazu ein, Platz zu nehmen. Die Bänke definieren eine spezifische Sehhöhe im Ausstellungsraum und erzeugen so eine Verschiebung der Perspektive. Bretter treffen quer oder schräg aufeinander – technisches Chaos und präzise Ausführung existieren zugleich. Die einzelnen Segmente der Stiege bleiben sichtbar, ebenso die Maserung des Holzes.

   

In den gezeigten Fotografien Reitmanns steht der Alltag im Vordergrund. Die im Moment festgehaltenen oder verweilenden Personen werden durch farbige Punkte verdeckt; das Interesse verschiebt sich auf die entstehende Form und wie dadurch ein Spiel von Nähe und Distanz entsteht.

 

Das Gitter steht im Zentrum der Recherche von Lisa Reiter. Sie sieht es nicht nur als eine neutrale, geometrische Anordnung, sondern auch als Symbol von Besitz, Zugang, und Kontrolle. Reiter reflektiert darüber, wie das Gitter zu einer physischen und symbolischen Schwelle wird, welches subtile soziale Normen sichtbar macht und wie Eigentum und Klasse Teilhabe und kollektives
Wohl beeinflussen.

   

Ausgangspunkt ist die Tätigkeit des Buntpapiermachens, die traditionell mit Mustern und wiederholenden Ornamenten arbeitet. Reiter begibt sich auf Spurensuche nach Ornamenten im öffentlichen Raum und übersetzt diese in ihre Arbeiten mit Kleisterpapier. Der holzähnliche Effekt wirkt dabei als trompe-l’œil: Das Papier könnte auch Holz sein, und spielt bewusst mit den sichtbaren Merkmalen und Erwartungen an Materialität.

WebSujet-reiter-reitmann-3